Bis heute stehen in deutschen Museen Präparate des »letzten erlegten Wolfes«. Er war hierzulande praktisch ausgerottet. Doch weltweit war Canis lupus, so sein wissenschaftlicher Name, nie verschwunden, sondern immer in verschiedenen Unterarten präsent, was seine ungeheure Anpassungsfähigkeit belegt.

Der Wolf ist zurück

Mit der Wiedervereinigung und dem Fall des Eisernen Vorhangs hat sich auch hierzulande die »Wolfslage« – fast unerwartet schnell – verändert. In den Jahren 2019/20 gab es laut dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) 128 Wolfsrudel in Deutschland. Nach Angaben der BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel hat sich das Wolfsvorkommen insbesondere im Norden und Nordwesten weiter vergrößert, aber auch außerhalb dieser Vorkommen konnten in den mittel- und süddeutschen Bundesländern einzelne Wolfsterritorien nachgewiesen werden.

Im Volksgedächtnis war »Isegrim« allerdings nie ausgelöscht worden. Wie kaum ein anderes wildes Tier hat sich der Wolf über viele Generationen hinweg im Bewußtsein der Menschen gehalten, vor allem in Märchen und Mythen. Der berühmteste Wolf der Welt ist wohl die »kapitolinische Wölfin«, die Roms Gründer Romulus und Remus säugt. Eigentlich eher eine Ausnahme, zumindest in der europäischen Welt kommt der Wolf ziemlich schlecht weg. Man denke an seine Rolle in Rotkäppchen oder Der Wolf und die sieben Geißlein. Auch sonst verbinden sich die Vorstellungen vom Wolf mit einer im Blutrausch reißenden Bestie, die auch als Wolfsmensch (Werwolf) ihr Unwesen treibt.

 

Die eher negativen Charakterisierungen kommen nicht von ungefähr. In früheren Jahrhunderten konnten Wolfsrisse – etwa von Schafen und Ziegen – eine Bauernfamilie in existentielle Not bringen. Vor dem Hintergrund dieser Bedrohung erklären sich heute grausam anmutende Methoden der Wolfsjagd wie sogenannte Wolfsangeln, mit Ködern bestückte Z-förmige, eiserne Haken, die so angebracht wurden, daß der Wolf nach dem Köder springen mußte und sich dabei den Haken in den Fang rammte. Daneben kamen getarnte »Wolfsgruben«, Schlingen, Fallen und Gift an Wolfswechseln zum Einsatz. Als Schußwaffe verwendete man neben der Büchse auch eine Schrotflinte mit kurzem Lauf und Schaft, in Italien ausdrücklich »Lupara« genannt, die heute eher als Waffe der Mafia bekannt ist. Wolfsangeln finden sich auch heute noch in den Wappen diverser Städte, Wolfsgruben als Flurnamen.

Wölfe gelten aber häufig auch als Sinnbilder eines freien, nicht domestizierten Lebens. Nicht ohne Grund hat Jack London seinen berühmtesten Roman, obwohl im Walfängermilieu angesiedelt, Seewolf genannt. Hierzulande weniger bekannt ist das wohl populärste Lied des russischen Barden Wladimir Wyssotzkij. Die »Wolfsjagd« (Achota na volkov – Охота на волков) beschreibt mit doppeldeutigem Sinn eine klassische Form der Wolfsjagd, die sogenannte Lappjagd. Dabei verhängt man ein Wolfsgebiet mit Schnüren, an denen Lappen befestigt sind, die immer rot sind, da Wölfe besonders das Feuer scheuen. Meistens wird eine Stelle offengelassen – aus ihr brechen die Wölfe aus und laufen den Jägern geradewegs vor die Gewehre. In Wyssotzkijs Lied widersteht der Wolf der zunehmenden mörderischen »Einhegung«, er nimmt allen Mut zusammen und geht »durch die Lappen«. Obgleich in der Sowjetzeit gedichtet, entfaltet das Lied zweifellos eine zeitlose Symbolik.

Streittier Wolf

Die Wiederkehr des Wolfs hat hierzulande eine leidenschaftliche, anhaltende Diskussion ausgelöst, die eine tiefe Spaltung zwischen »Wolfsbefürwortern« und »Wolfskritikern« und durchaus auch zwischen Stadt und Land nach sich zog und immer noch zieht.

Die Wolfsbefürworter verweisen darauf, daß die Wiederkehr des faszinierenden Tiers die Artenvielfalt erhöhe und die aus ihrer Sicht übergroßen Wildbestände insbesondere an Reh-, Rot- und Schwarzwild reduziere, wodurch eine Belastung des Waldes durch Verbiß und sonstige Wildschäden verhindert werde. Außerdem würden Wölfe vorwiegend kranke oder alte Wildtiere reißen, was insgesamt zu einer Verbesserung der Substanz des Wildbestandes führe.

Die Kritiker befürchten Kontrollverlust, das Verschwinden der offenen Weidetierhaltung durch zunehmende Angriffe, schwere Unfälle durch in Panik geratene Rinder, Pferde und Schafe etc., Einschleppen von Krankheiten wie etwa der Tollwut, Dezimierung oder gar Ausrottung ohnehin schon gefährdeter Haustierrassen und des Wildbestandes. Als besonders gefährdet gilt die Almwirtschaft, da dort eine Koppelung der Weidetiere kaum möglich noch erwünscht ist. Umstritten ist auch die Gefährdung des Menschen durch den Wolf.

Rechtssubjekt Wolf

Entlang dieser grundsätzlichen Frontlinie verläuft dann auch die Diskussion, ob der Wolf wie bisher dem Naturschutzrecht oder dem Jagdrecht unterworfen werden soll, wie dies in Deutschland nur in Sachsen der Fall ist. Obwohl diese Diskussion hierzulande mit der Verbissenheit eines Glaubenskrieges geführt wird, handelt es sich eigentlich um eine Scheindiskussion, zumindest nach derzeitiger Rechtslage. Das bestehende europäische Recht läßt nämlich keine systematische Bejagung der deutschen Wolfspopulation zu. Wölfe genießen in Deutschland durch Geltung internationaler Abkommen und Vorschriften des europäischen Rechts einen sehr hohen Schutzstatus. Maßgeblich ist vor allem die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie). Ausgehend davon, daß sich der Zustand der Lebensräume für Pflanzen und Tiere in den Mitgliedstaaten der EU beständig verschlechtert, benennt diese Richtlinie Maßnahmen, die u.a. den Verlust der Artenvielfalt durch Verlust des Lebensraumes verhindern sollen.

Im wesentlichen soll das durch das Verbot des absichtlichen Störens, Fangens und Tötens sowie durch die Einrichtung geeigneter Schutzgebiete geschehen. Der Wolf fällt unter den Anhang IV der Arten der FFH-Richtlinie, wo er unter mehr als 1000 Tier- und Pflanzenarten als dringend schutzbedürftig gelistet ist, allerdings mit diversen Ausnahmen, u.a. für die Wolfspopulation im Baltikum und bemerkenswerterweise auch für die finnische Population innerhalb des Rentierhaltungsareals.

Dieser derzeitige – grundsätzliche – Schutzstatus des Wolfs ändert sich nicht dadurch, daß er im nationalen Recht dem Jagdrecht oder dem Naturschutzrecht unterworfen wird. Daher ist auch die Einrichtung von »wolfsfreien Zonen« etwa im Bereich des Küstenschutzes und der damit verbundenen »Deichschäferei« europarechtlich untersagt.

Allerdings regelt Artikel 16 der FFH-Richtlinie, unter welchen Voraussetzungen Einzeltiere, sogenannte Problemwölfe, entnommen werden dürfen: Das etwas »verklemmte« Wort »Entnahme« statt Tötung ist freilich typisch für die verbreitete Haltung, harte Entscheidungen nicht klar zu benennen. Abseits dieser juristischen Kriterien ist festzuhalten, daß noch in keinem vergleichbar dicht besiedelten Staat wie Deutschland eine so rasche Ausbreitung des Wolfs stattgefunden hat. Gründe sind der hohe, im wesentlichen auch beachtete gesetzliche Schutz und die guten Beutetierbestände. Größter »Feind« sind aber nicht illegale Abschüsse, sondern der Straßenverkehr.

Gefahr für den Menschen?

Entgegen den anfänglichen Prognosen von Natur- und Wolfsschützern beschränkt sich der »Aktionsraum« des Wolfs nicht nur auf dünn besiedelte Landstriche oder Wälder, vielmehr tauchen vermehrt Wölfe in der Nähe von Siedlungen auf, auch am hellichten Tag. Daraus ergibt sich die oben bereits aufgeworfene Frage, ob der Wolf auch für den Menschen gefährlich sei.

Von etwa 1800 an bis heute gab es hierzulande vermutlich keine Angriffe von Wölfen auf Menschen. Wolfsschützer verweisen darauf, daß jährlich wesentlich mehr Menschen durch Jagdunfälle verletzt oder gar getötet werden.

Wissenschaftliche Studien zeigen, daß Wölfe vor allem dann für Menschen gefährlich werden könnten, wenn sie in ihrem natürlichen Verhalten beeinträchtigt werden. Das gilt insbesondere für an Tollwut erkrankte Wölfe, aber auch für Wölfe, die ihre natürliche Scheu vor dem Menschen verloren haben. Daher verbietet es sich, Tiere anzufüttern. Es ist auch nicht auszuschließen, daß der Mensch in das Beuteschema gerät, wenn sich diese äußerst anpassungsfähigen Tiere im städtischen Umfeld verbreiten. Letztlich wird der Wolf immer auf die Beute zugreifen, die er am leichtesten erjagen kann.

Eine akutere Herausforderung ist hingegen der Schutz von Weidetieren. Vor allem Schafe und Ziegen, aber auch Rinder sowie bisher vereinzelt Pferde sind Opfer von Wolfsattacken geworden. Dabei tötet der Wolf vor allem durch Kehlbisse, wobei es auch zu »Übertötungen« kommt, der Wolf also mehr Tiere reißt, als für seinen augenblicklichen Nahrungsbedarf notwendig erscheint.

Die heftige Diskussion darüber, ob die Weidetierhaltung hierzulande durch die Wiederkehr des Wolfs noch Zukunft habe, führte zur Etablierung einer regelrechten, etwas kopflastigen »Wolfswirtschaft«. In allen Bundesländern befassen sich die einschlägigen Ministerien mit »Wolfsmanagement/-monitoring«, die diversen Organisationen der Weidetierhalter, Naturschutzverbände, Wolfsschützer etc. mit jeweils interessengeleiteten Strategien und dem Einwerben finanzieller Fördermittel. Um das Ganze hat sich weiter ein Geflecht von (populär-)wissenschaftlichen Veröffentlichungen, Symposien und medialer Berichterstattung/Vernutzung aller Art gelegt.

Umstand Wolf

Bei all diesem Trubel bleibt weiterhin offen, wer eigentlich die notwendige Arbeit (Weidetierschutz etc.) vor Ort leisten soll. Als wirksamsten Schutz der Weidetiere propagieren die Politik, die diversen Naturschutzverbände, aber auch die jeweiligen Weidetierhalterorganisationen den passiven Herdenschutz und den Einsatz von Herdenschutzhunden.

Passiver Herdenschutz bedeutet die Verwendung von bestimmten »wolfsschützenden Zaunsystemen«. So wird gefordert, daß die Weidetierhalter Elektrozäune mit einer Höhe von bis zu 1,20 m und Untergrabungsschutz einsetzen sollten. Allerdings ist nicht zu übersehen, daß solche vielleicht technisch nachvollziehbaren Ratschläge von Fachleuten kommen, die selbst nicht täglich Hand anlegen müssen. Wer einmal etliche 50 Meter lange und bis zu 1,20 Meter hohe Elektronetze aufgebaut hat, unter Umständen in unwegsamem Gelände, der weiß, daß dies richtige Knochenarbeit ist, die meist täglich geleistet werden muß. Dies von Berufsständen wie gerade der Schäferei, die ohnehin überaltert sind! Außerdem bieten die Zäune nicht hundertprozentigen Schutz, Wölfe können auch 1,20 Meter überspringen.

Als »Wunderwaffe« gegen Wolfsübergriffe empfehlen Fachleute daher den Einsatz von Herdenschutzhunden. Dabei handelt es sich um meist massige Hunderassen (z.B. Maremanno Abruzzese, Pyrenäenberghund, Kangal, Kuvasz oder Owtscharka), die in den jeweiligen Herden leben und deren Aufgabe es ist, die Herde zu schützen. Sie nehmen es in ihren Herkunftsländern schon immer mit Wölfen und Bären auf. Problematisch erscheint der Einsatz solcher Tiere in den dichter besiedelten Gegenden Deutschlands. Diese Hunde sind ihrer Aufgabe gemäß sehr wehrhaft und brauchen eine ausgesprochen sorgfältige Ausbildung. Ganz abgesehen davon, daß solche Hunde teuer sind, wäre nicht auszuschließen, daß sie selbst zur Gefahr werden.

Der Verfasser hat einen Schäfer vertreten, dessen Herdenschutzhunde sich außerhalb des aus unbekanntem Grund teilweise niedergewalzten mobilen elektrischen Weidezauns befanden. Einer der Hunde »zwickte« dann eine Joggerin, die am frühen Morgen unterwegs war; zum Glück blieb es »nur« dabei. Der Schäfer, der – wie rechtlich geboten – täglich seine Herde und den Zaun kontrolliert hatte, wurde mit einem Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung und Schadensersatzansprüchen überzogen. Mit Müh und Not entging er einer strafrechtlichen Verurteilung.

In einem anderen Fall wurde ein Schäfer von Bewohnern einer einen Kilometer weit entfernten Siedlung verklagt, weil seine Herdenschutzhunde im Pferch nachts zu laut bellen würden. Die Hunde sind damit offensichtlich ihrer Aufgabe nachgekommen, »Raubzeug« abzuwehren. Nach einem Ortstermin, bei dem Gerichtsdiener und Schäfer die Hunde zum Bellen brachten, entschied das Gericht, daß dieses Gebell im ländlichen Raum hinzunehmen sei.

Diese Beispiele zeigen, wie schnell sich die »kuschelige« Haltung einer naturentfremdeten Bevölkerung zum Wolf verändern kann, wenn es unangenehm oder gar gefährlich wird. Andererseits ist nicht zu leugnen, daß viele Weidetierhalter in Europa, z.B. in Südeuropa, schon immer mit dem Wolf lebten. Abgesehen von der geringeren Siedlungsdichte hat dort aber ein »robusterer« Umgang mit dem Wolf Tradition, die sich auch durch die dort ebenfalls geltenden europäischen Schutzvorschriften nicht grundsätzlich geändert hat.

Festzuhalten ist, daß es zwischen Wölfen und diversen Weidetieren keine »Hierarchie der Opfer« geben darf. Auch die Weidetierhaltung, insbesondere die Schäferei, hat zu Kulturlandschaften geführt, die ökologisch gerade durch eine Artenvielfalt hervorstechen, welche ohne Beweidung alsbald der Verbuschung (Sukzession) anheimfiele. Die leidenschaftliche Diskussion über die Wiederkehr des Wolfs sollte aber gerade bei den Betroffenen nicht die zahlreichen anderen Probleme, die sich z.B. aus der ungerechten EU-Agrarförderung ergeben, in den Hintergrund treten lassen.

Wissenschaftler und Praktiker stellen zu Recht fest, daß eine bessere finanzielle Förderung der wirtschaftlich oft unattraktiven Weidetierhaltung zur Mäßigung des emotionalen Diskurses rund um den Wolf beitragen könnte. Dies gilt insbesondere für Ersatzleistungen bei Wolfsrissen, die derzeit noch mit viel Bürokratie für die Weidetierhalter verbunden sind.

Allerdings ist auch hier Geld nicht alles: Mit Entschädigungszahlungen lassen sich unter Umständen Wolfsrisse in sogenannten Gebrauchsherden kompensieren; bei wertvollen Zuchttieren kann das schon anders aussehen. Der Aufbau einer werthaltigen Zucht beruht häufig auf jahrzehntelanger, sogar generationenübergreifender Arbeit. Wenn nun ein Zuchttier dem Wolf zum Opfer fällt, kann dadurch der gesamte »Organismus« der züchterisch bearbeiteten Herde empfindlich gestört oder sogar vernichtet werden.

Wege zum Nebeneinander

Die Rückkehr des Wolfs stellt alles andere als eine einfache Aufgabe dar, speziell für ein so dicht besiedeltes Land wie die Bundesrepublik. Sie bedeutet für alle Beteiligten eine erhebliche Umstellung und fordert eine gezielte Steuerung. Ein simples »Geschehenlassen« ist bei einem Beutegreifer wie dem Wolf nicht möglich. Abgesehen von den entsprechenden Maßnahmen in der Weidetierhaltung und dem Willen zur Anpassung bei den Bauern zählt dazu aber auch, daß die Stadtbevölkerung, die mit dem Wolf keine Berührungspunkte existentieller Natur hat, Verständnis für die Bedürfnisse des ländlichen Raumes in diesem Zusammenhang aufbringt.

Orientierung geben derweil diverse Wissenschaftler und Praktiker, die für ein mittelfristig erträgliches Nebeneinander von Wolf und Weidetierhalter folgendes fordern:

  1. Einen vollumfänglich geförderten und rechtlich vereinfachten passiven Herdenschutz.
  2. Die zügige Entnahme von »Problemwölfen«. Gegebenenfalls wären hier europarechtliche, jedenfalls aber nationale Gesetze anzupassen und die vom Europarecht ermöglichten Spielräume zu »nutzen«.

Wichtig wäre auch, dafür zu sorgen, daß an der »Entnahme« beteiligte Jäger nicht der blinden Wut übermotivierter Tierschützer und Wolfsenthusiasten ausgeliefert werden. Unabhängig davon wäre zu überlegen, ob nicht die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht Gelegenheit böte, »Personal« für den Herdenschutz zu rekrutieren: Auch ein Stadtkind kann beim Aufbau eines mobilen Elektrozauns zupacken oder beim Hüten einer Herde helfen.

Ganz grundsätzlich ist die Wiederkehr des Wolfs aber zu begrüßen, weil dieses faszinierende Tier einer hedonistischen und verweichlichten »Disneyland«-Gesellschaft eine Ahnung vom unsentimentalen Wirken der Natur vermitteln könnte. Mit der Rückkehr des Wolfs ergibt sich die Möglichkeit, daß eine naturentfremdete Gesellschaft wieder den Umgang mit der Natur abseits jeder Verniedlichung erlernt.

Dieser Beitrag von Wolfgang Schmid ist im Jahr 2021 in unserer sechsten Ausgabe mit dem Titel »Überwucherungen (I)« erschienen. Es wartet mit weiteren spannenden Beiträgen dieser Qualität auf – und kann hier bestellt werden. Gleichzeitig soll er hier auf dem Blog, in voller Länge wiederveröffentlicht, als Anstoß einer Debatte dienen. Senden Sie uns Ihre Beiträge zum »Thema Wolf« gerne per E-Mail an info@die-kehre.de

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4 Comments

  1. Anonymous 22. Juni 2023 um 22:41 - Antworten

    Als jemand mit Bezug sowohl zur Landwirtschaft als auch zur Jagd muss ich diesbezüglich zu ein paar Punkten widersprechen.
    In Weidehaltungsregionen wie Aurich gibt es eher weniger Bewaldung. In Mischgebieten, in denen der Wald auch vorkommt, wie im Emsland, zeichnet sich ganz klar ab, dass die Wölfe den gedeckten TIsch bevorzugen anstatt Reh und Niederwild zu bejagen.
    Die Wolfsrisse im Wildbereich sind gering, wenn sich in der Nähe Weidehaltung befindet, besonders Schafe sind hier gefährdet.
    Aber auch Kühe und Pferde wurden schon gerissen. Diese Nahrungsquelle ist leichter erschließbar.
    Besonders problematisch ist in diesem Zusammenhang aber, dass der Wolf nicht so viel erlegt, wie er essen kann, sondern oft alles reißt, was er kriegen kann.
    Das liegt am natürlichen Jagdtrieb, die Wolfsrisse sind also oft mit mehreren toten Tieren verbunden.

    Die Ansätze zum passiven Herdenschutz zeigen sich bis jetzt in der Praxis als Nutzlos, mobile Zäune halten die Wölfe nicht auf, feste Zäune müssen knapp 2m hoch und 1m tief in den Boden vergraben sein, das ist natürlich unwirtschaftlich. Esel zum Herdenschutz funktionieren selten, einzig Herdenschutzhunde sind erfolgreich, aber ebenfalls recht teuer und natürlich nicht einfach in der Handhabung.
    Die momentane Lösung der Ausschüttung einer Entschädigung, nachdem der Wolfsbeauftragte die Risse begutachtet hat, ist leider sehr langsam und bürokratisch, die Entschädigung entspricht oft nicht dem Wert des Tiers.

    Was funktioniert ist die Bejagung, nicht nur der Problemwölfe, sondern eine Populationskontrolle. Momentan leben in Deutschland mehr Wölfe als in Schweden, in allen Ländern mit Wölfen und Weidehaltung werden diese bejagt. In den Rumänischen Karpaten haben die Schäfer Schusswaffen dabei.
    Dabei geht es nicht um die Ausrottung des Wolfs in Deutschland, sondern in gewissem Maße um die Erziehung der Wölfe. Viele Wölfe in Deutschland haben keine Scheu vor Menschen oder Vieh, die Tiere sind aber durchaus gerissen und lernfähig. In Ländern, in denen die Anzahl der Tiere reguliert wird, sind diese deutlich scheuer und halten sich auch von Nutztierbeständen fern. Die Populationen dort haben alleine dadurch eine größere Scheu vor den Menschen.

  2. Ralph Engelmann 14. September 2023 um 14:39 - Antworten

    Wölfe begleiten mich schon mein ganzes Leben lang – sei es in Träumen seit der Kindheit oder im Erwachsenenalter – zuerst erschreckend und dann harmoniebetont,
    als persönliches Lebenskrafttier bezeugt es meinen Charakter in exakten Ausführungen. Freiheit läßt sich nicht durch den Zwang einer fehlorientierten Minderheit
    brechen – auch in Ketten nicht!

    Besten Dank für Eure erneute Zusendung!

    Es grüßt TYR – der FENRISWOLF bleibt gebunden – bis zum SIEGE!

    • Buckliger 31. Dezember 2023 um 18:15 - Antworten

      Non servam? Nein, Freiheit nur aus Gott. Was hat das auch mit dem Thema zu tun?

  3. Müller 6. Februar 2024 um 10:52 - Antworten

    Vielen Dank für diesen ausgewogenen, überlegten Beitrag. Da der Wolf zu den „Schlüsselspezies“ gehört und damit ein wichtiger Schlüsselfaktor für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt ist, bin ich grundsätzlich „pro-Wolf“ eingestellt. Allerdings ist ein „robusteres“ Verhalten gegenüber dem Tier durchaus angebracht, die Wölfe müssen schon merken, dass sie sich von Menschen und ihren Siedlungen besser fernhalten. Außerdem sollten wir uns den täglichen Umgang mit der Anwesenheit des Wolfs von unseren östlichen Nachbarn abschauen und die Bevölkerung dementsprechend schulen.
    Nicht allzu mobile Weide- und Zuchttiere können übrigens am besten durch dichte, dornige Hecken geschützt werden, wie sie einst jede Weide umgaben, und die der Wolf weder durchdringen noch überspringen noch untergraben kann.

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